M.A. de Budyon The Greatests Operas TRISTAN UND ISOLDE Ëèáðåòòî ÒÐÈÑÒÀÍ È ÈÇÎËÜÄÀ

Richard Wagner


TRISTAN UND ISOLDE

PERSONEN: Tristan (Tenor)
K¡nig Marke (Ba-)
Isolde (Sopran)
Kurwenal (Bariton)
Melot (Tenor)
Brangône (Sopran)
Ein Hirt (Tenor)
Ein Steuermann (Bariton)
Stimme eines jungen Seemanns (Tenor)
Schiffsvolk, Ritter und Knappen. Isoldes Frauen.

 
1. AUFZUG  
      Szene 1, 2, 3, 4 , 5 

2. AUFZUG         Szene 1, 2, 3

3. AUFZUG         Szene 1, 2, 3

I. Aufzug
 
 
 
Zur See auf dem Verdeck von Tristans Schiff
wôhrend der -berfahrt von Irland nach Kornwall.
 
Zeltartiges Gemach auf dem Vorderdeck eines Seeschiffes,
reich mit Teppichen behangen,
beim Beginn nach dem Hintergrunde zu gônzlich geschlossen;
zur Seite f¹hrt eine schmale Treppe in den Schiffsraum hinab.
 
(Isolde auf einem Ruhebett, das Gesicht in die Kissen gedr¹ckt.
Brangône, einen Teppich zur¹ckgeschlagen haltend,
blickt zur Seite ¹ber Bord.)

 
 
 
 
1. Szene
                          Szene 1, 2, 3, 4 , 5                                        1. Aufzug
 
 
 
 
STIMME EINES JUNGEN SEEMANNS.
 
(aus der H¡he,
wie vom Mast her, vernehmbar)

Westwôrts
schweift der Blick:
ostwôrts
streicht das Schiff.
Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
Sind's deiner Seufzer Wehen,
die mir die Segel blôhen?
Wehe, wehe, du Wind!
Weh, ach wehe, mein Kind!
Irische Maid,
du wilde, minnige Maid!
 
ISOLDE.
 
(jôh auffahrend)

Wer wagt mich zu h¡hnen?
 
(sie blickt verst¡rt um sich)

Brangône, du?
Sag wo sind wir?
 
BRANG-NE.
 
(an der ãffnung)

Blaue Streifen
stiegen im Westen auf;
sanft und schnell
segelt das Schiff:
auf ruhiger See vor Abend
erreichen wir sicher das Land.
 
ISOLDE.
Welches Land?
 
BRANG-NE.
Kornwalls gr¹nen Strand.
 
ISOLDE.
Nimmermehr!
Nicht heut noch morgen!
 
BRANG-NE.
 
(lô-t den Vorhang zufallen
und eilt best¹rzt zu Isolde)

Was h¡r' ich? Herrin! Ha!
 
ISOLDE.
 
(wild vor sich hin)

Entartet Geschlecht!
Unwert der Ahnen!
Wohin, Mutter,
vergabst du die Macht,
¹ber Meer und Sturm zu gebieten?
O zahme Kunst
der Zauberin,
die nur Balsamtrônke noch braut!
Erwache mir wieder,
k¹hne Gewalt;
herauf aus dem Busen,
wo du dich bargst!
H¡rt meinen Willen,
zagende Winde!
Heran zu Kampf
und Wetterget¡s'!
Zu tobender St¹rme
w¹tendem Wirbel!
Treibt aus dem Schlaf
dies trôumende Meer,
weckt aus dem Grund
seine grollende Gier!
Zeigt ihm die Beute,
die ich ihm biete!
Zerschlag es dies trotzige Schiff,
des zerschellten Tr¹mmer verschling's!
Und was auf ihm lebt,
den wehenden Atem,
den la- ich euch Winden zum Lohn!
 
BRANG-NE.
 
(im ôu-ersten Schreck,
um Isolde sich bem¹hend)

O weh!
Ach! Ach
des -bels, das ich geahnt!
Isolde! Herrin!
Teures Herz!
Was bargst du mir so lang?
Nicht eine Trône
weintest du Vater und Mutter;
kaum einen Gru-
den Bleibenden botest du.
Von der Heimat scheidend
kalt und stumm,
bleich und schweigend
auf der Fahrt;
ohne Nahrung,
ohne Schlaf;
starr und elend,
wild verst¡rt:
wie ertrug ich,
so dich sehend,
nichts dir mehr zu sein,
fremd vor dir zu stehn?
Oh, nun melde,
was dich m¹ht?
Sage, k¹nde,
was dich quôlt?
Herrin Isolde,
trauteste Holde,
soll sie wert sich dir wôhnen,
vertraue nun Brangônen!
 
ISOLDE.
Luft! Luft!
Mir erstickt das Herz!
ãffne! ãffne dort weit!
 
 
(Brangône zieht eilig die Vorhônge
in der Mitte auseinander.)

 
 
 
 
2. Szene
                          Szene 1, 2, 3, 4 , 5                                        1. Aufzug
 
 
 
(Man blickt dem Schiff entlang bis zum Steuerbord,
¹ber den Bord hinaus auf das Meer und den Horizont.
Um den Hauptmast in der Mitte ist Seevolk,
mit Tauen beschôftigt, gelagert;
¹ber sie hinaus gewahrt man am Steuerbord Ritter und Knappen,
ebenfalls gelagert; von ihnen etwas entfernt Tristan,
mit verschrônkten Armen stehend und sinnend in das Meer blickend;
zu F¹ssligen ihm, nachlôssig gelagert, Kurwenal.)

 
 
 
 
STIMME EINES JUNGEN SEEMANNS.
 
(vom Mast her, aus der H¡he)

Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
Sind's deiner Seufzer Wehen,
die mir die Segel blôhen?
Wehe, wehe, du Wind!
Weh, ach wehe, mein Kind!
 
ISOLDE.
 
(deren Blick sogleich Tristan fand
und starr auf ihn geheftet blieb, dumpf f¹r sich)

Mir erkoren,
mir verloren,
hehr und heil,
k¹hn und feig!
Todgeweihtes Haupt!
Todgeweihtes Herz!
 
(Zu Brangône, unheimlich lachend.)

Was hôltst du von dem Knechte?
 
BRANG-NE.
 
(ihrem Blicke folgend)

Wen meinst du?
 
ISOLDE.
Dort den Helden,
der meinem Blick
den seinen birgt,
in Scham und Scheue
abwôrts schaut.
Sag, wie d¹nkt er dich?
 
BRANG-NE.
Frôgst du nach Tristan,
teure Frau,
dem Wunder aller Reiche,
dem hochgepriesnen Mann,
dem Helden ohne Gleiche,
des Ruhmes Hort und Bann?
 
ISOLDE.
 
(sie verh¡hnend)

Der zagend vor dem Streiche
sich fl¹chtet, wo er kann,
weil eine Braut er als Leiche
f¹r seinen Herrn gewann!
D¹nkt es dich dunkel,
mein Gedicht?
Frag ihn denn selbst,
den freien Mann,
ob mir zu nahn er wagt?
Der Ehren Gru-
und z¹cht'ge Acht
vergi-t der Herrin
der zage Held,
da- ihr Blick ihn nur nicht erreiche,
den Helden ohne Gleiche!
Oh, er wei-
wohl, warum!
Zu dem Stolzen geh,
meld ihm der Herrin Wort:
Meinem Dienst bereit,
schleunig soll er mir nahn.
 
BRANG-NE.
Soll ich ihn bitten,
dich zu gr¹-en?
 
ISOLDE.
Befehlen lie-
dem Eigenholde
Furcht der Herrin
ich, Isolde!
 
 
(Auf Isoldes gebieterischen Wink entfernt sich Brangône
und schreitet verschômt dem Deck entlang dem Steuerbord zu,
an den arbeitenden Seeleuten vorbei. Isolde,
mit starrem Blicke ihr folgend,
zieht sich r¹cklings nach dem Ruhebett zur¹ck,
wo sie sitzend wôhrend des Folgenden bleibt,
das Auge unabgewandt nach dem Steuerbord gerichtet.)

 
KURWENAL.
 
(der Brangône kommen sieht, zupft,
ohne sich zu erheben, Tristan am Gewande)

Hab acht, Tristan!
Botschaft von Isolde.
 
TRISTAN.
 
(auffahrend)

Was ist? Isolde?
 
(Er fa-t sich schnell, als Brangône vor ihm
anlangt und sich verneigt.)

Von meiner Herrin?
Ihr gehorsam
was zu h¡ren
meldet h¡fisch
mir die traute Magd?
 
BRANG-NE.
Mein Herre Tristan,
Euch zu sehen
w¹nscht Isolde,
meine Frau.
 
TRISTAN.
Grômt sie die lange Fahrt,
die geht zu End';
eh noch die Sonne sinkt,
sind wir am Land.
Was meine Frau mir befehle,
treulich sei's erf¹llt.
 
BRANG-NE.
So m¡g' Herr Tristan
zu ihr gehn:
das ist der Herrin Will'.
 
TRISTAN.
Wo dort die gr¹nen Fluren
dem Blick noch blau sich fôrben,
harrt mein K¡nig
meiner Frau:
zu ihm sie zu geleiten,
bald nah' ich mich der Lichten;
keinem g¡nnt' ich
diese Gunst.
 
BRANG-NE.
Mein Herre Tristan,
h¡re wohl:
deine Dienste
will die Frau,
da- du zur Stell' ihr nahtest
dort, wo sie deiner harrt.
 
TRISTAN.
Auf jeder Stelle,
wo ich steh',
getreulich dien ich ihr,
der Frauen h¡chster Ehr';
lie-' ich das Steuer
jetzt zur Stund',
wie lenkt' ich sicher den Kiel
zu K¡nig Markes Land?
 
BRANG-NE.
Tristan, mein Herre,
was h¡hnst du mich?
D¹nkt dich nicht deutlich
die t¡r'ge Magd,
h¡r meiner Herrin Wort!
So, hie- sie, sollt' ich sagen:
Befehlen lie-'
dem Eigenholde
Furcht der Herrin
sie, Isolde.
 
KURWENAL.
 
(aufspringend)

Darf ich die Antwort sagen?
 
TRISTAN.
 
(ruhig)

Was wohl erwidertest du?
 
KURWENAL.
Das sage sie
der Frau Isold'!
Wer Kornwalls Kron'
und Englands Erb'
an Irlands Maid vermacht,
der kann der Magd
nicht eigen sein,
die selbst dem Ohm er schenkt.
Ein Herr der Welt
Tristan der Held!
Ich ruf's: du sag's, und grollten
mir tausend Frau Isolden!
 
(Da Tristan durch Gebôrden ihm zu wehren sucht
und Brangône entr¹stet sich zum Weggehen wendet,
singt Kurwenal der z¡gernd sich Entfernenden
mit h¡chster Stôrke nach:)

"Herr Morold zog
zu Meere her,
in Kornwall Zins zu haben;
ein Eiland schwimmt
auf ¡dem Meer,
da liegt er nun begraben!
Sein Haupt doch hôngt
im Irenland,
als Zins gezahlt
von Engeland:
Hei! Unser Held Tristan,
wie der Zins zahlen kann!"
 
 
(Kurwenal, von Tristan fortgescholten,
ist in den Schiffsraum hinabgestiegen;
Brangône in Best¹rzung zu Isolde zur¹ckgekehrt,
schlie-t hinter sich die Vorhônge,
wôhrend die ganze Mannschaft au-en sich h¡ren lô-t.)

 
Alle Mônner.
Sein Haupt doch hôngt
im Irenland,
als Zins gezahlt
von Engeland:
Hei! Unser Held Tristan,
wie der Zins zahlen kann!
 
 
 
 
 
3. Szene
                          Szene 1, 2, 3, 4 , 5                                        1. Aufzug
 
 
(Isolde und Brangône allein,
bei vollkommen wieder geschlossenen Vorhôngen.
Isolde erhebt sich mit verzweiflungsvoller Wutgebôrde.
Brangône st¹rzt ihr zu F¹-en.)

 
 
 
BRANG-NE.
Weh, ach wehe!
Dies zu dulden!
 
ISOLDE.
 
(dem furchtbarsten Ausbruche nahe,
schnell sich zusammenraffend)

Doch nun von Tristan!
Genau will ich's vernehmen.
 
BRANG-NE.
Ach, frage nicht!
 
ISOLDE.
Frei sag's ohne Furcht!
 
BRANG-NE.
Mit h¡f'schen Worten
wich er aus.
 
ISOLDE.
Doch als du deutlich mahntest?
 
BRANG-NE.
Da ich zur Stell'
ihn zu dir rief:
wo er auch steh',
so sagte er,
getreulich dien' er ihr,
der Frauen h¡chster Ehr';
lie-' er das Steuer
jetzt zur Stund',
wie lenkt' er sicher den Kiel
zu K¡nig Markes Land?
 
ISOLDE.
 
(schmerzlich bitter)

"Wie lenkt' er sicher den Kiel
zu K¡nig Markes Land?"
 
(grell und heftig)

Den Zins ihm auszuzahlen,
den er aus Irland zog!
 
BRANG-NE.
Auf deine eignen Worte,
als ich ihm die entbot,
lie- seinen Treuen Kurwenal
 
ISOLDE.
Den hab ich wohl vernommen,
kein Wort, das mir entging.
Erfuhrest du meine Schmach,
nun h¡re, was sie mir schuf.
Wie lachend sie
mir Lieder singen,
wohl k¡nnt' auch ich erwidern
von einem Kahn,
der klein und arm
an Irlands K¹ste schwamm,
darinnen krank
ein siecher Mann
elend im Sterben lag.
Isoldes Kunst
ward ihm bekannt;
mit Heilsalben
und Balsamsaft
der Wunde, die ihn plagte,
getreulich pflag sie da.
Der "Tantris"
mit sorgender List sich nannte,
als Tristan
Isold' ihn bald erkannte,
da in des M¹-'gen Schwerte
eine Scharte sie gewahrte,
darin genau
sich f¹gt' ein Splitter,
den einst im Haupt
des Iren-Ritter,
zum Hohn ihr heimgesandt,
mit kund'ger Hand sie fand.
Da schrie's mir auf
aus tiefstem Grund!
Mit dem hellen Schwert
ich vor ihm stund,
an ihm, dem -berfrechen,
Herrn Morolds Tod zu rôchen.
Von seinem Lager
blickt' er her
nicht auf das Schwert,
nicht auf die Hand
er sah mir in die Augen.
Seines Elendes
jammerte mich!
Das Schwert ich lie- es fallen!
Die Morold schlug, die Wunde,
sie heilt' ich, da- er gesunde
und heim nach Hause kehre,
mit dem Blick mich nicht mehr beschwere!
 
BRANG-NE.
O Wunder! Wo hatt' ich die Augen?
Der Gast, den einst
ich pflegen half?
 
ISOLDE.
Sein Lob h¡rtest du eben:
"Hei! Unser Held Tristan"
der war jener traur'ge Mann.
Er schwur mit tausend Eiden
mir ew'gen Dank und Treue!
Nun h¡r, wie ein Held
Eide hôlt!
Den als Tantris
unerkannt ich entlassen,
als Tristan
kehrt' er k¹hn zur¹ck;
auf stolzem Schiff,
von hohem Bord,
Irlands Erbin
begehrt' er zur Eh'
f¹r Kornwalls m¹den K¡nig,
f¹r Marke, seinen Ohm.
Da Morold lebte,
wer hôtt' es gewagt
uns je solche Schmach zu bieten?
F¹r der zinspflicht'gen
Kornen F¹rsten
um Irlands Krone zu werben!
Ach, wehe mir!
Ich ja war's,
die heimlich selbst
die Schmach sich schuf!
Das rôchende Schwert,
statt es zu schwingen,
machtlos lie- ich's fallen!
Nun dien' ich dem Vasallen!
 
BRANG-NE.
Da Friede, S¹hn' und Freundschaft
von allen ward beschworen,
wir freuten uns all' des Tags;
wie ahnte mir da,
da- dir es Kummer sch¹f'?
 
ISOLDE.
O blinde Augen,
bl¡de Herzen!
Zahmer Mut,
verzagtes Schweigen!
Wie anders prahlte
Tristan aus,
was ich verschlossen hielt!
Die schweigend ihm
das Leben gab,
vor Feindes Rache
ihn schweigend barg;
was stumm ihr Schutz
zum Heil ihm schuf
mit ihr gab er es preis!
Wie siegprangend
heil und hehr,
laut und hell
wies er auf mich:
"Das wôr ein Schatz,
mein Herr und Ohm;
wie d¹nkt Euch die zur Eh'?
Die schmucke Irin
hol' ich her;
mit Steg' und Wegen
wohlbekannt,
ein Wink, ich flieg'
nach Irenland:
Isolde, die ist Euer!
Mir lacht das Abenteuer!"
Fluch dir, Verruchter!
Fluch deinem Haupt!
Rache! Tod!
Tod uns beiden!
 
BRANG-NE.
 
(mit ungest¹mer Zôrtlichkeit
auf Isolde st¹rzend)

O S¹-e! Traute!
Teure! Holde!
Goldne Herrin!
Lieb' Isolde!
 
(Sie zieht Isolde allmôhlich
nach dem Ruhebett.)

H¡r mich! Komme!
Setz dich her!
Welcher Wahn,
welch eitles Z¹rnen!
Wie magst du dich bet¡ren,
nicht hell zu sehn noch h¡ren?
Was je Herr Tristan
dir verdankte,
sag, konnt' er's h¡her lohnen
als mit der herrlichsten der Kronen?
So dient' er treu
dem edlen Ohm;
dir gab er der Welt
begehrlichsten Lohn:
dem eignen Erbe,
echt und edel,
entsagt' er zu deinen F¹-en,
als K¡nigin dich zu gr¹-en!
 
(Isolde wendet sich ab.)

Und warb er Marke
dir zum Gemahl,
wie wolltest du die Wahl doch schelten,
mu- er nicht wert dir gelten?
Von edler Art
und mildem Mut,
wer gliche dem Mann
an Macht und Glanz?
Dem ein hehrster Held
so treulich dient,
wer m¡chte sein Gl¹ck nicht teilen,
als Gattin bei ihm weilen?
 
ISOLDE.
 
(starr vor sich hinblickend)

Ungeminnt
den hehrsten Mann
stets mir nah zu sehen!
Wie k¡nnt' ich die Qual bestehen?
 
BRANG-NE.
Was wôhnst du, Arge?
Ungeminnt?
 
(Sie nôhert sich schmeichelnd
und kosend Isolde.)

Wo lebte der Mann,
der dich nicht liebte?
Der Isolde sôh'
und in Isolden
selig nicht ganz verging'?
Doch der dir erkoren,
wôr' er so kalt,
z¡g' ihn von dir
ein Zauber ab:
den b¡sen w¹-t' ich
bald zu binden.
Ihn bannte der Minne Macht.
 
(mit geheimnisvoller Zutraulichkeit
ganz zu Isolde)

Kennst du der Mutter
K¹nste nicht?
Wôhnst du, die alles
klug erwôgt,
ohne Rat in fremdes Land
hôtt' sie mit dir mich entsandt?
 
ISOLDE.
 
(d¹ster)

Der Mutter Rat
gemahnt mich recht;
willkommen preis' ich
ihre Kunst:
Rache f¹r den Verrat,
Ruh' in der Not dem Herzen!
Den Schrein dort bring mir her!
 
BRANG-NE.
Er birgt, was Heil dir frommt.
 
(Sie holt eine kleine goldne Truhe herbei,
¡ffnet sie und deutet auf ihren Inhalt.)

So reihte sie die Mutter,
die môcht'gen Zaubertrônke.
F¹r Weh und Wunden
Balsam hier;
f¹r b¡se Gifte
Gegengift.
 
(Sie zieht ein Flôschen hervor)

Den hehrsten Trank,
ich halt' ihn hier.
 
ISOLDE.
Du irrst, ich kenn' ihn besser;
ein starkes Zeichen
schnitt ich ihm ein.
 
(Sie ergreift ein Flôschen und zeigt es.)

Der Trank ist's, der mir taugt!
 
BRANG-NE.
 
(weicht entsetzt zur¹ck)

Der Todestrank!
 
 
(Isolde hat sich vom Ruhebett erhoben
und vernimmt mit wachsendem Schrecken
den Ruf des Schiffvolks.)

 
SCHIFFSVOLK
 
(von au-en)

Ho! He! Ha! He!
Am Untermast
die Segel ein!
Ho! He! Ha! He!
 
ISOLDE.
Das deutet schnelle Fahrt.
Weh mir! Nahe das Land!
 
 
 
 
4. Szene
                          Szene 1, 2, 3, 4 , 5                                        1. Aufzug
 
(Durch die Vorhônge tritt mit Ungest¹m Kurwenal herein.)

 
 
 
KURWENAL.
Auf! Auf! Ihr Frauen!
Frisch und froh!
Rasch ger¹stet!
Fertig nun, hurtig und flink!
 
(gemessener)

Und Frau Isolden
sollt' ich sagen
von Held Tristan,
meinem Herrn:
Vom Mast der Freude Flagge,
sie wehe lustig ins Land;
in Markes K¡nigsschlosse
mach' sie ihr Nahn bekannt.
Drum Frau Isolde
bôt' er eilen,
f¹rs Land sich zu bereiten,
da- er sie k¡nnt' geleiten.
 
ISOLDE.
 
(nachdem sie zuerst bei der Meldung in Schauer
zusammengefahren, gefa-t und mit W¹rde)

Herrn Tristan bringe
meinen Gru-
und meld ihm, was ich sage.
Sollt' ich zur Seit' ihm gehen,
vor K¡nig Marke zu stehen,
nicht m¡cht' es nach Zucht
und Fug geschehn,
empfing ich S¹hne
nicht zuvor
f¹r unges¹hnte Schuld.
Drum such er meine Huld.
 
(Kurwenal macht eine trotzige Gebôrde.
Isolde fôhrt mit Steigerung fort.)

Du merke wohl
und meld es gut!
Nicht woll' ich mich bereiten,
ans Land ihn zu begleiten;
nicht werd' ich zur Seit' ihm gehen,
vor K¡nig Marke zu stehen;
begehrte Vergessen
und Vegeben
nach Zucht und Fug
er nicht zuvor
f¹r ungeb¹-te Schuld:
die b¡t' ihm meine Huld.
 
KURWENAL.
Sicher wi-t,
das sag' ich ihm;
nun harrt, wie er mich h¡rt!
 
 
(Er geht schnell zur¹ck. Isolde eilt auf Brangône zu
und umarmt sie heftig.)

 
ISOLDE.
Nun leb wohl, Brangône!
Gr¹- mir die Welt,
gr¹-e mir Vater und Mutter!
 
BRANG-NE.
Was ist? Was sinnst du?
Wolltest du fliehn?
Wohin soll ich dir folgen?
 
ISOLDE.
 
(fa-t sich schnell)

H¡rtest du nicht?
Hier bleib' ich,
Tristan will ich erwarten.
Getreu befolg,
was ich befehl',
den S¹hnetrank
r¹ste schnell;
du wei-t, den ich dir wies?
 
 
(Sie entnimmt dem Schrein das Flôschen.)

 
BRANG-NE.
Und welchen Trank?
 
ISOLDE.
Diesen Trank!
In die goldne Schale
gie- ihn aus;
gef¹llt fa-t sie ihn ganz.
 
BRANG-NE.
 
(voll Grausen das Flôschen empfangend)

Trau' ich dem Sinn?
 
ISOLDE.
Sei du mir treu!
 
BRANG-NE.
Den Trank f¹r wen?
 
ISOLDE.
Wer mich betrog
 
BRANG-NE.
Tristan?
 
ISOLDE.
trinke mir S¹hne!
 
BRANG-NE.
 
(zu Isoldes F¹-en st¹rzend)

Entsetzen! Schone mich Arme!
 
ISOLDE.
 
(sehr heftig)

Schone du mich,
untreue Magd!
Kennst du der Mutter
K¹nste nicht?
Wôhnst du, die alles
klug erwôgt,
ohne Rat in fremdes Land
hôtt' sie mit dir mich entsandt?
F¹r Weh und Wunden
gab sie Balsam,
f¹r b¡se Gifte
Gegengift.
F¹r tiefstes Weh,
f¹r h¡chstes Leid
gab sie den Todestrank.
Der Tod nun sag ihr Dank!
 
BRANG-NE.
 
(kaum ihrer môchtig)

O tiefstes Weh!
 
ISOLDE.
Gehorchst du mir nun?
 
BRANG-NE.
O h¡chstes Leid!
 
ISOLDE.
Bist du mir treu?
 
BRANG-NE.
Der Trank?
 
KURWENAL.
 
(eintretend)

Herr Tristan!
 
 
(Brangône erhebt sich erschrocken und verwirrt.
Isolde sucht mit furchtbarer Anstrengung sich zu fassen.)

 
ISOLDE.
 
(zu Kurwenal)

Herr Tristan trete nah!
 
 
 
 
5. Szene
                          Szene 1, 2, 3, 4 , 5                                        1. Aufzug
 
(Kurwenal geht wieder zur¹ck. Brangône,
kaum ihrer môchtig, wendet sich in den Hintergrund.
Isolde, ihr ganzes Gef¹hl zur Entscheidung zusammenfassend,
schreitet langsam, mit gro-er Haltung, dem Ruhebett zu,
auf dessen Kopfende sich st¹tzend sie den Blick fest dem Eingange zuwendet.
Tristan tritt ein und bleibt ehrerbietig am Eingange stehen.
Isolde ist mit furchtbarer Aufregung in seinen Anblick versunken.
Langes Schweigen.)

 
 
 
TRISTAN.
Begehrt, Herrin,
was Ihr w¹nscht.
 
ISOLDE.
W¹-test du nicht,
was ich begehre,
da doch die Furcht,
mir's zu erf¹llen,
fern meinem Blick dich hielt?
 
TRISTAN.
Ehrfurcht
hielt mich in Acht.
 
ISOLDE.
Der Ehre wenig
botest du mir;
mit off'nem Hohn
verwehrtest du
Gehorsam meinem Gebot.
 
TRISTAN.
Gehorsam einzig
hielt mich in Bann.
 
ISOLDE.
So dankt' ich Geringes
deinem Herrn,
riet dir sein Dienst
Unsitte
gegen sein eigen Gemahl?
 
TRISTAN.
Sitte lehrt,
wo ich gelebt:
zur Brautfahrt
der Brautwerber
meide fern die Braut.
 
ISOLDE.
Aus welcher Sorg'?
 
TRISTAN.
Fragt die Sitte!
 
ISOLDE.
Da du so sittsam,
mein Herr Tristan,
auch einer Sitte
sei nun gemahnt:
den Feind dir zu s¹hnen,
soll er als Freund dich r¹hmen.
 
TRISTAN.
Und welchen Feind?
 
ISOLDE.
Frag deine Furcht!
Blutschuld
schwebt zwischen uns.
 
TRISTAN.
Die ward ges¹hnt.
 
ISOLDE.
Nicht zwischen uns!
 
TRISTAN.
Im offnen Feld
vor allem Volk
ward Urfehde geschworen.
 
ISOLDE.
Nicht da war's,
wo ich Tantris barg,
wo Tristan mir verfiel.
Da stand er herrlich,
hehr und heil;
doch was er schwur,
das schwurt ich nicht:
zu schweigen hatt' ich gelernt.
Da in stiller Kammer
krank er lag,
mit dem Schwerte stumm
ich vor ihm stund:
schwieg da mein Mund,
bannt' ich meine Hand
doch was einst mit Hand
und Mund ich gelobt,
das schwur ich schweigend zu halten.
Nun will ich des Eides walten.
 
TRISTAN.
Was schwurt Ihr, Frau?
 
ISOLDE.
Rache f¹r Morold!
 
TRISTAN.
M¹ht Euch die?
 
ISOLDE.
Wagst du zu h¡hnen?
Angelobt war er mir,
der hehre Irenheld;
seine Waffen hatt' ich geweiht;
f¹r mich zog er zum Streit.
Da er gefallen,
fiel meine Ehr':
in des Herzens Schwere
schwur ich den Eid,
w¹rd' ein Mann den Mord nicht s¹hnen,
wollt' ich Magd mich des erk¹hnen.
Siech und matt
in meiner Macht,
warum ich dich da nicht schlug?
Das sag dir selbst mit leichtem Fug.
Ich pflag des Wunden,
da- den Heilgesunden
rôchend schl¹ge der Mann,
der Isolde ihm abgewann.
Dein Los nun selber
magst du dir sagen!
Da die Mônner sich all ihm vertragen,
wer mu- nun Tristan schlagen?
 
TRISTAN.
 
(bleich und d¹ster)

War Morold dir so wert,
nun wieder nimm das Schwert
und f¹hr es sicher und fest,
da- du nicht dir's entfallen lô-t!
 
 
(Er reicht ihr sein Schwert dar)

 
ISOLDE.
Wie sorgt' ich schlecht
um deinen Herren;
was w¹rde K¡nig Marke sagen,
erschl¹g' ich ihm
den besten Knecht,
der Kron' und Land ihm gewann,
den allertreusten Mann?
D¹nkt dich so wenig,
was er dir dankt,
bringst du die Irin
ihm als Braut,
da- er nicht sch¡lte,
schl¹g' ich den Werber,
der Urfehde-Pfand
so treu ihm liefert zur Hand?
Wahre dein Schwert!
Da einst ich's schwang,
als mir die Rache
im Busen rang,
als dein messender Blick
mein Bild sich stahl,
ob ich Herrn Marke
taug' als Gemahl:
Das Schwert da lie- ich's sinken.
Nun la- uns S¹hne trinken!
 
 
(Sie winkt Brangône.
Diese schaudert zusammen, schwankt
und z¡gert in ihrer Bewegung.
Isolde treibt sie mit gesteigerter Gebôrde an.
Brangône lô-t sich zur Bereitung des Trankes an.)

 
SCHIFFSVOLK
 
(von au-en)

Ho! He! Ha! He!
Am Obermast
die Segel ein!
Ho! He! Ha! He!
 
TRISTAN.
 
(aus d¹sterem Br¹ten auffahrend)

Wo sind wir?
 
ISOLDE.
Hart am Ziel!
Tristan, gewinn' ich die S¹hne?
Was hast du mir zu sagen?
 
TRISTAN.
 
(finster)

Des Schweigens Herrin
hei-t mich schweigen:
fass' ich, was sie verschwieg,
verschweig' ich, was sie nicht fa-t.
 
ISOLDE.
Dein Schweigen fa- ich,
weichst du mir aus.
Weigerst du die S¹hne mir?
 
SCHIFFSVOLK.
 
(von au-en)

Ho! He! Ha! He!
 
 
(Auf Isoldes ungeduldigen Wink reicht Brangône
ihr die gef¹llte Trinkschale.)

 
ISOLDE.
 
(mit dem Becher zu Tristan tretend,
der ihr starr in die Augen blickt)

Du h¡rst den Ruf?
Wir sind am Ziel.
In kurzer Frist
stehn wir
 
(mit leisem Hohne)

vor K¡nig Marke.
Geleitest du mich,
d¹nkt's dich nicht lieb,
darfst du so ihm sagen:
"Mein Herr und Ohm,
sieh die dir an:
ein sanftres Weib
gewônnst du nie.
Ihren Angelobten
erschlug ich ihr einst,
sein Haupt sandt' ich ihr heim;
die Wunde, die
seine Wehr mir schuf,
die hat sie hold geheilt.
Mein Leben lag
in ihrer Macht:
das schenkte mir
die holde Magd
und ihres Landes
Schand' und Schmach
die gab sie mit darein,
dein Ehgemahl zu sein.
So guter Gaben
holden Dank
schuf mir ein s¹-er
S¹hnetrank;
den bot mir ihre Huld,
zu s¹hnen alle Schuld."
 
SCHIFFSVOLK.
 
(au-en)

Auf das Tau!
Anker los!
 
TRISTAN.
 
(wild auffahrend)

Los den Anker!
Das Steuer dem Strom!
Den Winden Segel und Mast!
 
(Er entrei-t ihr die Trinkschale.)

Wohl kenn' ich Irlands
K¡nigin
und ihrer K¹nste
Wunderkraft.
Den Balsam n¹tzt' ich,
den sie bot:
den Becher nehm ich nun,
da- ganz ich heut genese.
Und achte auch
des S¹hneeids,
den ich zum Dank dir sage!
Tristans Ehre
h¡chste Treu'!
Tristans Elend
k¹hnster Trotz!
Trug des Herzens!
Traum der Ahnung!
Ew'ger Trauer
einz'ger Trost:
Vergessens g¹t'ger Trank,
dich trink' ich sonder Wank!
 
 
(Er setzt an und trinkt.)

 
ISOLDE.
Betrug auch hier?
Mein die Hôlfte!
 
(Sie entwindet ihm den Becher.)

Verrôter! Ich trink' sie dir!
 
 
(Sie trinkt. Dann wirft sie die Schale fort.
Beide, von Schauder erfa-t, blicken sich mit h¡chster Aufregung,
doch mit starrer Haltung, unverwandt in die Augen,
in deren Ausdruck der Todestrotz bald der Liebesglut weicht.
Zittern ergreift sie. Sie fassen sich krampfhaft an das Herz
und f¹hren die Hand wieder an die Stirn.
Dann suchen sie sich wieder mit dem Blick,
senken ihn verwirrt und heften ihn wieder
mit steigender Sehnsucht aufeinander.)

 
ISOLDE.
 
(mit bebender Stimme)

Tristan!
 
TRISTAN.
 
(¹berstr¡mend)

Isolde!
 
ISOLDE.
 
(an seine Brust sinkend)

Treuloser Holder!
 
TRISTAN.
 
(mit Glut sie umfassend)

Seligste Frau!
 
 
(Sie verbleiben in stummer Umarmung.
Aus der Ferne vernimmt man Trompeten.)

 
RUF DER M-NNER.
 
(von au-en auf dem Schiffe)

Heil! K¡nig Marke Heil!
 
BRANG-NE.
 
(die, mit abgewandtem Gesicht,
voll Verwirrung und Schauder sich
¹ber den Bord gelehnt hatte,
wendet sich jetzt dem Anblick
des in Liebesumarmung versunkenen Paares zu
und st¹rzt hônderingend voll Verzweiflung
in den Vordergrund)

Wehe! Weh!
Unabwendbar
ew'ge Not
f¹r kurzen Tod!
T¡r'ger Treue
trugvolles Werk
bl¹ht nun jammernd empor!
 
 
(Tristan und Isolde fahren aus der Umarmung auf.)

 
TRISTAN.
 
(verwirrt)

Was trôumte mir
von Tristans Ehre?
 
ISOLDE.
Was trôumte mir
von Isoldes Schmach?
 
TRISTAN.
Du mir verloren?
 
ISOLDE.
Du mich versto-en?
 
TRISTAN.
Tr¹genden Zaubers
t¹ckische List!
 
ISOLDE.
T¡rigen Z¹rnens
eitles Drôun!
 
TRISTAN.
Isolde!
 
ISOLDE.
Tristan!
 
TRISTAN.
S¹-este Maid!
 
ISOLDE.
Trautester Mann!
 
BAIDE.
Wie sich die Herzen
wogend erheben!
Wie alle Sinne
wonnig erbeben!
Sehnender Minne
schwellendes Bl¹hen,
schmachtender Liebe
seliges Gl¹hen!
Jach in der Brust
jauchzende Lust!
 
TRISTAN.
Isolde!
Isolde mir gewonnen!
 
ISOLDE.
Tristan!
Welten-entronnen,
du mir gewonnen!
 
BAIDE.
Du mir einzig bewu-t,
h¡chste Liebeslust!
 
 
(Die Vorhônge werden weit auseinandergerissen;
das ganze Schiff ist mit Rittern und Schiffsvolk bedeckt,
die jubelnd ¹ber Bord winken, dem Ufer zu,
das man, mit einer hohen Felsenburg gekr¡nt, nahe erblickt.
Tristan und Isolde bleiben, in ihrem gegenseitingen Anblick verloren,
ohne Wahrnehmung des um sie Vorgehenden.)

 
BRANG-NE.
 
(zu den Frauen, die auf ihren Wink
aus dem Schiffsraum heraufsteigen)

Schnell, den Mantel,
den K¡nigsschmuck!
 
(Zwischen Tristan und Isolde st¹rzend)

Unsel'ge! Auf!
H¡rt, wo wir sind!
 
(Sie legt Isolde, die es nicht gewahrt,
den K¡nigsmantel an.)

 
ALLE M-NNER.
Heil! Heil! Heil!
K¡nig Marke Heil!
Heil dem K¡nig!
 
KURWENAL.
 
(lebhaft herantretend)

Heil Tristan,
gl¹cklicher Held!
Mit reichem Hofgesinde
dort auf Nachen
naht Herr Marke.
Hei, wie die Fahrt ihn freut,
da- er die Braut sich freit!
 
TRISTAN.
 
(in Verwirrung aufblickend)

Wer naht?
 
KURWENAL.
Der K¡nig!
 
TRISTAN.
Welcher K¡nig?
 
 
(Kurwenal deutet ¹ber Bord.)

 
ALLE M-NNER.
 
(die H¹te schwenkend)

Heil! K¡nig Marke Heil!
 
 
(Tristan starrt wie sinnlos nach dem Lande.)

 
ISOLDE.
 
(in Verwirrung)

Was ist, Brangône?
Welcher Ruf?
 
BRANG-NE.
Isolde! Herrin!
Fassung nur heut!
 
ISOLDE.
Wo bin ich? Leb' ich?
Ha! Welcher Trank?
 
BRANG-NE.
 
(verzweiflungsvoll)

Der Liebestrank.
 
ISOLDE.
 
(starrt entsetzt auf Tristan)

Tristan!
 
TRISTAN.
Isolde!
 
ISOLDE.
Mu- ich leben?
 
 
(Sie st¹rzt ohnmôchtig an seine Brust.)

 
BRANG-NE.
 
(zu den Frauen)

Helft der Herrin!
 
TRISTAN.
O Wonne voller T¹cke!
O truggeweihtes Gl¹cke!
 
ALLE M-NNER.
 
(Ausbruch allgemeinen Jauchzens)

Heil dem K¡nig!
Kornwall Heil!
 
 
(Trompeten vom Lande her)
 
(Leute sind ¹ber Bord gestiegen,
andere haben eine Br¹cke ausgelegt,
und die Haltung aller deutet
auf die soeben bevorstehende Ankunft der Erwarteten,
als der Vorhang schnell fôllt.)

2. Aufzug
 
 
Einleitung
 
Park vor Isoldes Gemach
in der k¡niglichen Burg Markes in Kornwall.
 
Garten mit hohen Bôumen vor dem Gemach Isoldes,
zu welchem, seitwôrts gelegen, Stufen hinauff¹hren.
Helle, anmutige Sommernacht.
An der ge¡ffneten T¹re ist eine brennende Fackel aufgesteckt.
 
(Jagdget¡n. Brangône, auf den Stufen am Gemach,
spôht dem immer entfernter vernehmbaren Jagdtrosse nach.
Sie blickt ôngstlich in das Gemach zur¹ck,
darin sie Isolde nahen sieht.
Zu ihr tritt aus dem Gemach, feurig bewegt, Isolde.)

 
 
 
 
1. Szene
                          Szene 1, 2, 3                                        2. Aufzug
 
ISOLDE.
H¡rst du sie noch?
Mir schwand schon fern der Klang.
 
BRANG-NE.
 
(lauschend)

Noch sind sie nah;
deutlich t¡nt's daher.
 
ISOLDE.
 
(lauschend)

Sorgende Furcht
beirrt dein Ohr.
Dich tôuscht des Laubes
sôuselnd Get¡n,
das lachend sch¹ttelt der Wind.
 
BRANG-NE.
Dich tôuscht des Wunsches
Ungest¹m,
zu vernehmen, was du wôhnst.
 
(Sie lauscht.)

Ich h¡re der H¡rner Schall.
 
ISOLDE.
 
(wieder lauschend)

Nicht H¡rnerschall
t¡nt so hold,
des Quelles sanft
rieselnde Welle
rauscht so wonnig daher.
Wie h¡rt' ich sie,
tosten noch H¡rner?
Im Schweigen der Nacht
nur lacht mir der Quell.
Der meiner harrt
in schweigender Nacht,
als ob H¡rner noch nah dir schallten,
willst du ihn fern mir halten?
 
BRANG-NE.
Der deiner harrt
o h¡r mein Warnen!
des harren Spôher zur Nacht.
Weil du erblindet,
wôhnst du den Blick
der Welt erbl¡det f¹r euch?
Da dort an Schiffes Bord
von Tristans bebender Hand
die bleiche Braut,
kaum ihrer môchtig,
K¡nig Marke empfing,
als alles verwirrt
auf die Wankende sah,
der g¹t'ge K¡nig,
mild besorgt,
die M¹hen der langen Fahrt,
die du littest, laut beklagt':
ein einz'ger war's,
ich achtet' es wohl,
der nur Tristan fa-t' ins Auge.
Mit b¡slicher List,
lauerndem Blick
sucht er in seiner Miene
zu finden, was ihm diene.
T¹ckisch lauschend
treff' ich ihn oft:
der heimlich euch umgarnt,
vor Melot seid gewarnt!
 
ISOLDE.
Meinst du Herrn Melot?
Oh, wie du dich tr¹gst!
Ist er nicht Tristans
treuester Freund?
Mu- mein Trauter mich meiden,
dann weilt er bei Melot allein.
 
BRANG-NE.
Was mir ihn verdôchtig,
macht dir ihn teuer!
Von Tristan zu Marke
ist Melots Weg;
dort sôt er ¹ble Saat.
Die heut im Rat
dies nôchtliche Jagen
so eilig schnell beschlossen,
einem edlern Wild,
als dein Wôhnen meint,
gilt ihre Jôgerslist.
 
ISOLDE.
Dem Freund zulieb'
erfand diese List
aus Mitleid
Melot, der Freund.
Nun willst du den Treuen schelten?
Besser als du
sorgt er f¹r mich;
ihm ¡ffnet er,
was mir du sperrst.
O spar mir des Z¡gerns Not!
Das Zeichen, Brangône!
O gib das Zeichen!
L¡sche des Lichtes
letzten Schein!
Da- ganz sie sich neige,
winke der Nacht.
Schon go- sie ihr Schweigen
durch Hain und Haus,
schon f¹llt sie das Herz
mit wonnigem Graus.
O l¡sche das Licht nun aus,
l¡sche den scheuchenden Schein!
La- meinen Liebsten ein!
 
BRANG-NE.
O la- die warnende Z¹nde,
la- die Gefahr sie dir zeigen!
O wehe! Wehe!
Ach, mir Armen!
Des unseligen Trankes!
Da- ich untreu
einmal nur
der Herrin Willen trog!
Gehorcht' ich taub und blind,
dein Werk
war dann der Tod.
Doch deine Schmach,
deine schmôhlichste Not
mein Werk,
mu- ich Schuld'ge es wissen?
 
ISOLDE.
Dein Werk?
O t¡r'ge Magd!
Frau Minne kenntest du nicht?
Nicht ihres Zaubers Macht?
Des k¹hnsten Mutes
K¡nigin?
Des Weltenwerdens
Wôlterin?
Leben und Tod
sind untertan ihr,
die sie webt aus Lust und Leid,
in Liebe wandelnd den Neid.
Des Todes Werk,
nahm ich's vermessen zur Hand,
Frau Minne hat es
meiner Macht entwandt.
Die Todgeweihte
nahm sie in Pfand,
fa-te das Werk
in ihre Hand.
Wie sie es wendet,
wie sie es endet,
was sie mir k¹re,
wohin mich f¹hre,
ihr ward ich zu eigen:
num la- mich Gehorsam zeigen!
 
BRANG-NE.
Und mu-te der Minne
t¹ckischer Trank
des Sinnes Licht dir verl¡schen,
darfst du nicht sehen,
wenn ich dich warne:
nur heute h¡r,
o h¡r mein Flehen!
Der Gefahr leuchtendes Licht,
nur heute, heut
die Fackel dort l¡sche nicht!
 
ISOLDE.
Die im Busen mir
die Glut entfacht,
die mir das Herze
brennen macht,
die mir als Tag
der Seele lacht,
Frau Minne will:
es werde Nacht,
da- hell sie dorten leuchte,
 
(sie eilt auf die Fackel zu)

wo sie dein Licht verscheuchte.
 
(Sie nimmt die Fackel von der T¹r.)

Zur Warte du:
dort wache treu!
Die Leuchte,
und wôr's meines Lebens Licht
lachend
sie zu l¡schen zag' ich nicht!
 
 
(Sie wirft die Fackel zur Erde, wo sie allmôhlich verlischt.)
 
(Brangône wendet sich best¹rzt ab,
um auf einer ôu-eren Treppe die Zinne zu ersteigen,
wo sie langsam verschwindet.)

 
 
(Isolde lauscht und spôht, zunôchst sch¹chtern, in einen Baumgang.
Von wachsendem Verlangen bewegt, schreitet sie dem Baumgang nôher
und spôht zuversichtlicher.
Sie winkt mit einem Tuche, erst seltener, dann hôufiger,
und endlich, in leidenschaftlicher Ungeduld, immer schneller.
Eine Gebôrde des pl¡tzlichen Entz¹ckens sagt,
da- sie den Freund in der Ferne gewahr geworden.
Sie streckt sich h¡her und h¡her, und,
um besser den Raum zu ¹bersehen,
eilt sie zur Treppe zur¹ck,
von deren oberster Stufe aus sie dem Herannahenden zuwinkt.
Dann springt sie ihm entgegen.)

 
 
 
 
2. Szene
                          Szene 1, 2, 3                                        2. Aufzug
 
TRISTAN.
 
(st¹rzt herein)

Isolde! Geliebte!
 
ISOLDE.
Tristan! Geliebter!
 
(St¹rmische Umarmungen beider,
unter denen sie in den Vordergrund gelangen.)

Bist du mein?
 
TRISTAN.
Hab' ich dich wieder?
 
ISOLDE.
Darf ich dich fassen?
 
TRISTAN.
Kann ich mir trauen?
 
ISOLDE.
Endlich! Endlich!
 
TRISTAN.
An meiner Brust!
 
ISOLDE.
F¹hl' ich dich wirklich?
 
TRISTAN.
Seh' ich dich selber?
 
ISOLDE.
Dies deine Augen?
 
TRISTAN.
Dies dein Mund?
 
ISOLDE.
Hier deine Hand?
 
TRISTAN.
Hier dein Herz?
 
ISOLDE.
Bin ich's? Bist du's?
Halt' ich dich fest?
 
TRISTAN.
Bin ich's? Bist du's?
Ist es kein Trug?
 
BAIDE.
Ist es kein Traum?
O Wonne der Seele,
o s¹-e, hehrste,
k¹hnste, sch¡nste,
seligste Lust!
 
TRISTAN.
Ohne Gleiche!
 
ISOLDE.
-berreiche!
 
TRISTAN.
-berselig!
 
ISOLDE.
Ewig!
 
TRISTAN.
Ewig!
 
ISOLDE.
Ungeahnte,
nie gekannte!
 
TRISTAN.
-berschwenglich
hoch erhabne!
 
ISOLDE.
Freudejauchzen!
 
TRISTAN.
Lustentz¹cken!
 
BAIDE.
Himmelh¡chstes
Weltentr¹cken!
 
ISOLDE.
Mein! Tristan mein!
 
TRISTAN.
Mein! Isolde mein!
 
BAIDE.
Mein und dein!
Ewig, ewig ein!
 
ISOLDE.
Wie lange fern!
Wie fern so lang!
 
TRISTAN.
Wie weit so nah!
So nah wie weit!
 
ISOLDE.
O Freundesfeindin,
b¡se Ferne!
Trôger Zeiten
z¡gernde Lônge!
 
TRISTAN.
O Weit' und Nôhe,
hart entzweite!
Holde Nôhe!
ãde Weite!
 
ISOLDE.
Im Dunkel du,
im Lichte ich!
 
TRISTAN.
Das Licht! Das Licht!
O dieses Licht,
wie lang verlosch es nicht!
Die Sonne sank,
der Tag verging,
doch seinen Neid
erstickt' er nicht:
sein scheuchend Zeichen
z¹ndet er an
und steckt's an der Liebsten T¹re,
da- nicht ich zu ihr f¹hre.
 
ISOLDE.
Doch der Liebsten Hand
l¡schte das Licht;
wes die Magd sich wehrte,
scheut' ich mich nicht:
in Frau Minnes Macht und Schutz
bot ich dem Tage Trutz!
 
TRISTAN.
Dem Tage! Dem Tage!
Dem t¹ckischen Tage,
dem hôrtesten Feinde
Ha- und Klage!
Wie du das Licht,
o k¡nnt' ich die Leuchte,
der Liebe Leiden zu rôchen,
dem frechen Tage verl¡schen!
Gibt's eine Not,
gibt's eine Pein,
die er nicht weckt
mit seinem Schein?
Selbst in der Nacht
dômmernder Pracht
hegt ihn Liebchen am Haus,
streckt mir drohend ihn aus!
 
ISOLDE.
Hegt ihn die Liebste
am eignen Haus,
im eignen Herzen
hell und kraus,
hegt' ihn trotzig
einst mein Trauter:
Tristan der mich betrog!
War's nicht der Tag,
der aus ihm log,
als er nach Irland
werbend zog,
f¹r Marke mich zu frein,
dem Tod die Treue zu weihn?
 
TRISTAN.
Der Tag! Der Tag,
der dich umgli-,
dahin, wo sie
der Sonne glich,
in h¡chster Ehren
Glanz und Licht
Isolde mir entr¹ckt'!
Was mir das Auge
so entz¹ckt',
mein Herze tief
zur Erde dr¹ckt':
in lichten Tages Schein
wie war Isolde mein?
 
ISOLDE.
War sie nicht dein,
die dich erkor?
Was log der b¡se
Tag dir vor,
da-, die f¹r dich beschieden,
die Traute du verrietest?
 
TRISTAN.
Was dich umgli-
mit hehrster Pracht,
der Ehre Glanz,
des Ruhmes Macht,
an sie mein Herz zu hangen,
hielt mich der Wahn gefangen.
Die mit des Schimmers
hellstem Schein
mir Haupt und Scheitel
licht beschien,
der Welten-Ehren
Tagessonne,
mit ihrer Strahlen
eitler Wonne,
durch Haupt und Scheitel
drang mir ein
bis in des Herzens
tiefsten Schrein.
Was dort in keuscher Nacht
dunkel verschlossen wacht',
was ohne Wiss' und Wahn
ich dômmernd dort empfahn:
ein Bild, das meine Augen
zu schau'n sich nicht getrauten,
von des Tages Schein betroffen
lag mir's da schimmernd offen.
Was mir so r¹hmlich
schien und hehr,
das r¹hmt' ich hell
vor allem Heer;
vor allem Volke
pries ich laut
der Erde sch¡nste
K¡nigsbraut.
Dem Neid, den mir
der Tag erweckt';
dem Eifer, den
mein Gl¹cke schreckt';
der Mi-gunst, die mir Ehren
und Ruhm begann zu schweren:
denen bot ich Trotz,
und treu beschlo-,
um Ehr' und Ruhm zu wahren,
nach Irland ich zu fahren.
 
ISOLDE.
O eitler Tagesknecht!
Getôuscht von ihm,
der dich getôuscht,
wie mu-t' ich liebend
um dich leiden,
den, in des Tages
falschem Prangen,
von seines Glei-ens
Trug befangen,
dort wo ihn Liebe
hei- umfa-te,
im tiefsten Herzen
hell ich ha-te.
Ach, in des Herzens Grunde
wie schmerzte tief die Wunde!
Den dort ich heimlich barg,
wie d¹nkt' er mich so arg,
wenn in des Tages Scheine
der treu gehegte Eine
der Liebe Blicken schwand,
als Feind nur vor mir stand!
Das als Verrôter
dich mir wies,
dem Licht des Tages
wollt' ich entfliehn,
dorthin in die Nacht
dich mit mir ziehn,
wo der Tôuschung Ende
mein Herz mir verhie-;
wo des Trugs geahnter
Wahn zerrinne;
dort dir zu trinken
ew'ge Minne,
mit mir dich im Verein
wollt' ich dem Tode weihn.
 
TRISTAN.
In deiner Hand
den s¹-en Tod,
als ich ihn erkannt,
den sie mir bot;
als mir die Ahnung
hehr und gewi-
zeigte, was mir
die S¹hne verhie-:
da erdômmerte mild
erhabner Macht
im Busen mir die Nacht;
mein Tag war da vollbracht.
 
ISOLDE.
Doch ach, dich tôuschte
der falsche Trank,
da- dir von neuem
die Nacht versank;
dem einzig am Tode lag,
den gab er wieder dem Tag!
 
TRISTAN.
O Heil dem Tranke!
Heil seinem Saft!
Heil seines Zaubers
hehrer Kraft!
Durch des Todes Tor,
wo er mir flo-,
weit und offen
er mir erschlo-,
darin ich sonst nur trôumend gewacht,
das Wunderreich der Nacht.
Von dem Bild in des Herzens
bergendem Schrein
scheucht' er des Tages
tôuschenden Schein,
da- nachtsichtig mein Auge
wahr es zu sehen tauge.
 
ISOLDE.
Doch es rôchte sich
der verscheuchte Tag;
mit deinen S¹nden
Rat's er pflag;
was dir gezeigt
die dômmernde Nacht,
an des Tag-Gestirnes
K¡nigsmacht
mu-test du's ¹bergeben,
um einsam
in ¡der Pracht
schimmernd dort zu leben.
Wie ertrug ich's nur?
Wie ertrag' ich's noch?
 
TRISTAN.
O, nun waren wir
Nacht-Geweihte!
Der t¹ckische Tag,
der Neid-bereite,
trennen konnt' uns sein Trug,
doch nicht mehr tôuschen sein Lug!
Seine eitle Pracht,
seinen prahlenden Schein
verlacht, wem die Nacht
den Blick geweiht:
seines flackernden Lichtes
fl¹chtige Blitze
blenden uns nicht mehr.
Wer des Todes Nacht
liebend erschaut,
wem sie ihr tief
Geheimnis vertraut:
des Tages L¹gen,
Ruhm und Ehr',
Macht und Gewinn,
so schimmernd hehr,
wie eitler Staub der Sonnen
sind sie vor dem zersponnen!
In des Tages eitlem Wôhnen
bleibt ihm ein einzig Sehnen
das Sehnen hin
zur heil'gen Nacht,
wo ur-ewig,
einzig wahr
Liebeswonne ihm lacht!
 
 
(Tristan zieht Isolde sanft zur Seite
auf eine Blumenbank nieder,
senkt sich vor ihr auf die Knie
und schmiegt sein Haupt in ihren Arm.)

 
BAIDE.
O sink hernieder,
Nacht der Liebe,
gib Vergessen,
da- ich lebe;
nimm mich auf
in deinen Scho-,
l¡se von
der Welt mich los!
 
TRISTAN.
Verloschen nun
die letzte Leuchte;
 
ISOLDE.
was wir dachten,
was uns deuchte;
 
TRISTAN.
all Gedenken
 
ISOLDE.
all Gemahnen
 
BAIDE.
heil'ger Dômm'rung
hehres Ahnen
l¡scht des Wôhnens Graus
welterl¡send aus.
 
ISOLDE.
Barg im Busen
uns sich die Sonne,
leuchten lachend
Sterne der Wonne.
 
TRISTAN.
Von deinem Zauber
sanft umsponnen,
vor deinen Augen
s¹- zerronnen;
 
ISOLDE.
Herz an Herz dir,
Mund an Mund;
 
TRISTAN.
eines Atems
ein'ger Bund;
 
BAIDE.
bricht mein Blick sich
wonnerblindet,
erbleicht die Welt
mit ihrem Blenden:
 
ISOLDE.
die uns der Tag
tr¹gend erhellt,
 
TRISTAN.
zu tôuschendem Wahn
entgegengestellt,
 
BAIDE.
selbst dann
bin ich die Welt:
Wonne-hehrstes Weben,
Liebe-heiligstes Leben,
Nie-wieder-Erwachens
wahnlos
hold bewu-ter Wunsch.
 
 
(Tristan und Isolde versinken
wie in gônzliche Entr¹cktheit, in der sie,
Haupt an Haupt auf die Blumenbank
zur¹ckgelehnt, verweilen.)

 
BRANG-NEs STIMME.
 
(von der Zinne her)

Einsam wachend
in der Nacht,
wem der Traum
der Liebe lacht,
hab der Einen
Ruf in acht,
die den Schlôfern
Schlimmes ahnt,
bange zum
Erwachen mahnt.
Habet acht!
Habet acht!
Bald entweicht die Nacht.
 
ISOLDE.
 
(leise)

Lausch, Geliebter!
 
TRISTAN.
 
(ebenso)

La- mich sterben!
 
ISOLDE.
 
(allmôhlich sich ein wenig erhebend)

Neid'sche Wache!
 
TRISTAN.
 
(zur¹ckgelehnt bleibend)

Nie erwachen!
 
ISOLDE.
Doch der Tag
mu- Tristan wecken?
 
TRISTAN.
 
(ein wenig das Haupt erhebend)

La- den Tag
dem Tode weichen!
 
ISOLDE.
 
(nicht heftig)

Tag und Tod
mit gleichen Streichen
sollten unsre
Lieb' erreichen?
 
TRISTAN.
 
(sich mehr aufrichtend)

Unsre Liebe?
Tristans Liebe?
Dein' und mein',
Isoldes Liebe?
Welches Todes Streichen
k¡nnte je sie weichen?
St¹nd' er vor mir,
der môcht'ge Tod,
wie er mir Leib
und Leben bedroht',
die ich so willig
der Liebe lasse,
wie wôre seinen Streichen
die Liebe selbst zu erreichen?
 
(immer inniger mit dem Haupt
sich an Isolde schmiegend)

St¹rb' ich nun ihr,
der so gern ich sterbe,
wie k¡nnte die Liebe
mit mir sterben,
die ewig lebende
mit mir enden?
Doch st¹rbe nie seine Liebe,
wie st¹rbe dann Tristan
seiner Liebe?
 
ISOLDE.
Doch unsre Liebe,
hei-t sie nicht Tristan
und Isolde?
Dies s¹-e W¡rtlein: und,
was es bindet,
der Liebe Bund,
wenn Tristan st¹rb',
zerst¡rt' es nicht der Tod?
 
TRISTAN.
 
(sehr ruhig)

Was st¹rbe dem Tod,
als was uns st¡rt,
was Tristan wehrt,
Isolde immer zu lieben,
ewig ihr nur zu leben?
 
ISOLDE.
Doch dieses W¡rtlein: und
wôr' es zerst¡rt,
wie anders als
mit Isoldes eignem Leben
wôr' Tristan der Tod gegeben?
 
 
(Tristan zieht, mit bedeutungsvoller Gebôrde,
Isolde sanft an sich.)

 
TRISTAN.
So st¹rben wir,
um ungetrennt,
ewig einig
ohne End',
ohn' Erwachen,
ohn' Erbangen,
namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!
 
ISOLDE.
 
(wie in sinnender Entr¹cktheit
zu ihm aufblickend)

So st¹rben wir,
um ungetrennt
 
TRISTAN.
ewig einig
ohne End'
 
ISOLDE.
ohn' Erwachen
 
TRISTAN.
ohn' Erbangen
 
BAIDE.
namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!
 
 
(Isolde neigt wie ¹berwôltigt
das Haupt an seine Brust.)

 
BRANG-NEs Stimme.
 
(wie vorher)

Habet acht!
Habet acht!
Schon weicht dem Tag die Nacht.
 
TRISTAN.
 
(lôchelnd zu Isolde geneigt)

Soll ich lauschen?
 
ISOLDE.
 
(schwôrmerisch zu Tristan aufblickend)

La- mich sterben!
 
TRISTAN.
 
(ernster)

Mu- ich wachen?
 
ISOLDE.
 
(bewegter)

Nie erwachen!
 
TRISTAN.
 
(drôngender)

Soll der Tag
noch Tristan wecken?
 
ISOLDE.
 
(begeistert)

La- den Tag
dem Tode weichen!
 
TRISTAN.
Des Tages Drôuen
nun trotzten wir so?
 
ISOLDE.
 
(mit wachsender Begeisterung)

Seinem Trug ewig zu fliehn.
 
TRISTAN.
Sein dômmernder Schein
verscheuchte uns nie?
 
ISOLDE.
 
(mit gro-er Gebôrde ganz sich erhebend)

Ewig wôhr' uns die Nacht!
 
 
(Tristan folgt ihr, sie umfangen sich
in schwôrmerischer Begeisterung.)

 
BAIDE.
O ew'ge Nacht,
s¹-e Nacht!
Hehr erhabne
Liebesnacht!
Wen du umfangen,
wem du gelacht,
wie wôr' ohne Bangen
aus dir er je erwacht?
Nun banne das Bangen,
holder Tod,
sehnend verlangter
Liebestod!
In deinen Armen,
dir geweiht,
ur-heilig Erwarmen,
von Erwachens Not befreit!
 
TRISTAN.
Wie sie fassen,
wie sie lassen,
diese Wonne
 
BAIDE.
Fern der Sonne,
fern der Tage
Trennungsklage!
 
ISOLDE.
Ohne Wôhnen
 
TRISTAN.
sanftes Sehnen;
 
ISOLDE.
ohne Bangen
 
TRISTAN.
s¹- Verlangen.
Ohne Wehen
 
BAIDE.
hehr Vergehen.
 
ISOLDE.
Ohne Schmachten
 
BAIDE.
hold Umnachten.
 
TRISTAN.
Ohne Meiden
 
BAIDE.
ohne Scheiden,
traut allein,
ewig heim,
in ungeme-nen Rôumen
¹bersel'ges Trôumen.
 
TRISTAN.
Tristan du,
ich Isolde,
nicht mehr Tristan!
 
ISOLDE.
Du Isolde,
Tristan ich,
nicht mehr Isolde!
 
BAIDE.
Ohne Nennen,
ohne Trennen,
neu' Erkennen,
neu' Entbrennen;
ewig endlos,
ein-bewu-t:
hei- ergl¹hter Brust
h¡chste Liebeslust!
 
 
(Sie bleiben in verz¹ckter Stellung.)

 
 
 
 
3. Szene
                          Szene 1, 2, 3                                        2. Aufzug
 
(Brangône st¡-t einen grellen Schrei aus.)

 
 
 
 
Kurwenal.
(st¹rzt mit entbl¡-tem Schwerte herein)
Rette dich, Tristan!
 
(Er blickt mit Entsetzen hinter sich in die Szene zur¹ck.
Marke, Melot und Hofleute, in Jôgertracht,
kommen aus dem Baumgange lebhaft nach dem Vordergrunde
und halten entsetzt der Gruppe der Liebenden gegen¹ber an.
Brangône kommt zugleich von der Zinne herab und st¹rzt auf Isolde zu.
Diese, von unwillk¹rlicher Scham ergriffen, lehnt sich,
mit abgewandtem Gesicht, auf die Blumenbank.
Tristan, in ebenfalls unwillk¹rlicher Bewegung,
streckt mit dem einen Arm den Mantel breit aus,
so da- er Isolde vor den Blicken der Ankommenden verdeckt.
In dieser Stellung verbleibt er lôngere Zeit,
unbeweglich den starren Blick auf die Mônner gerichtet,
die in verschiedener Bewegung die Augen auf ihn heften.
Morgendômmerung.)

 
TRISTAN.
 
(nach lôngerem Schweigen)

Der ¡de Tag
zum letztenmal!
 
MELOT.
 
(zu Marke)

Das sollst du, Herr, mir sagen,
ob ich ihn recht verklagt?
Das dir zum Pfand ich gab,
ob ich mein Haupt gewahrt?
Ich zeigt' ihn dir
in offner Tat:
Namen und Ehr'
hab' ich getreu
vor Schande dir bewahrt.
 
MARKE.
 
(nach tiefer Ersch¹tterung,
mit bebender Stimme)

Tatest du's wirklich?
Wôhnst du das?
Sieh ihn dort,
den treuesten aller Treuen;
blick' auf ihn,
den freundlichsten der Freunde:
seiner Treue
freister Tat
traf mein Herz
mit feindlichstem Verrat!
Trog mich Tristan,
sollt' ich hoffen,
was sein Tr¹gen
mir getroffen,
sei durch Melots Rat
redlich mir bewahrt?
 
TRISTAN.
 
(krampfhaft heftig)

Tagsgespenster!
Morgentrôume!
Tôuschend und w¹st!
Entschwebt! Entweicht!
 
MARKE.
 
(mit tiefer Ergriffenheit)

Mir dies?
Dies, Tristan, mir?
Wohin nun Treue,
da Tristan mich betrog?
Wohin nun Ehr'
und echte Art,
da aller Ehren Hort,
da Tristan sie verlor?
Die Tristan sich
zum Schild erkor,
wohin ist Tugend
nun entflohn,
da meinen Freund sie flieht,
da Tristan mich verriet?
 
(Tristan senkt langsam den Blick zu Boden;
in seinen Mienen ist, wôhrend Marke fortfôhrt,
zunehmende Trauer zu lesen.)

Wozu die Dienste
ohne Zahl,
der Ehren Ruhm,
der Gr¡-e Macht,
die Marken du gewannst;
mu-t' Ehr' und Ruhm,
Gr¡-' und Macht,
mu-te die Dienste
ohne Zahl
dir Markes Schmach bezahlen?
D¹nkte zu wenig
dich sein Dank,
da-, was du ihm erworben,
Ruhm und Reich,
er zu Erb' und Eigen dir gab?
Da kinderlos einst
schwand sein Weib,
so liebt' er dich,
da- nie aufs neu'
sich Marke wollt' vermôhlen.
Da alles Volk
zu Hof und Land
mit Bitt' und Drôuen
in ihn drang,
die K¡nigin dem Lande,
die Gattin sich zu kiesen;
da selber du
den Ohm beschworst,
des Hofes Wunsch,
des Landes Willen
g¹tlich zu erf¹llen;
in Wehr wider Hof und Land,
in Wehr selbst gegen dich,
mit List und G¹te
weigerte er sich,
bis, Tristan, du ihm drohtest,
f¹r immer zu meiden
Hof und Land,
w¹rdest du selber
nicht entsandt,
dem K¡nig die Braut zu frein.
Da lie- er's denn so sein.
Dies wundervolle Weib,
das mir dein Mut gewann,
wer durft' es sehen,
wer es kennen,
wer mit Stolze
sein es nennen,
ohne selig sich zu preisen?
Der mein Wille
nie zu nahen wagte,
der mein Wunsch
ehrfurchtscheu entsagte,
die so herrlich
hold erhaben
mir die Seele
mu-te laben,
trotz Feind und Gefahr,
die f¹rstliche Braut
brachtest du mir dar.
Nun, da durch solchen
Besitz mein Herz
du f¹hlsamer schufst
als sonst dem Schmerz,
dort, wo am weichsten,
zart und offen,
w¹rd' ich getroffen,
nie zu hoffen,
da- je ich k¡nnte gesunden:
warum so sehrend,
Unseliger,
dort nun mich verwunden?
Dort mit der Waffe
quôlendem Gift,
das Sinn und Hirn
mir sengend versehrt,
das mir dem Freund
die Treue verwehrt,
mein offnes Herz
erf¹llt mit Verdacht,
da- ich nun heimlich
in dunkler Nacht
den Freund lauschend beschleiche,
meiner Ehren Ende erreiche?
Die kein Himmel erl¡st,
warum mir diese H¡lle?
Die kein Elend s¹hnt,
warum mir diese Schmach?
Den unerforschlich tief
geheimnisvollen Grund,
wer macht der Welt ihn kund?
 
TRISTAN.
 
(mitleidig das Auge zu Marke erhebend)

O K¡nig, das
kann ich dir nicht sagen;
und was du frôgst,
das kannst du nie erfahren.
 
(Er wendet sich zu Isolde,
die sehns¹chtig zu ihm aufblickt.)

Wohin nun Tristan scheidet,
willst du, Isold', ihm folgen?
Dem Land, das Tristan meint,
der Sonne Licht nicht scheint:
es ist das dunkel
nôcht'ge Land,
daraus die Mutter
mich entsandt,
als, den im Tode
sie empfangen,
im Tod sie lie-
an das Licht gelangen.
Was, da sie mich gebar,
ihr Liebesberge war,
das Wunderreich der Nacht,
aus der ich einst erwacht;
das bietet dir Tristan,
dahin geht er voran:
ob sie ihm folge
treu und hold
das sag ihm nun Isold'!
 
ISOLDE.
Als f¹r ein fremdes Land
der Freund sie einstens warb,
dem Unholden
treu und hold
mu-t' Isolde folgen.
Nun f¹hrst du in dein eigen,
dein Erbe mir zu ziegen;
wie fl¡h' ich wohl das Land,
das alle Welt umspannt?
Wo Tristans Haus und Heim,
da kehr' Isolde ein:
auf dem sie folge
treu und hold,
den Weg nun zeig Isold'!
 
 
(Tristan neigt sich langsam ¹ber sie
und k¹-t sie sanft auf die Stirn.
Melot fôhrt w¹tend auf.)

 
MELOT.
 
(das Schwert ziehend)

Verrôter! Ha!
Zur Rache, K¡nig!
Duldest du diese Schmach?
 
TRISTAN.
 
(zieht sein Schwert, und wendet sich schnell um)

Wer wagt sein Leben an das meine?
 
(Er heftet den Blick auf Melot.)

Mein Freund war der,
er minnte mich hoch und teuer;
um Ehr' und Ruhm
mir war er besorgt wie keiner.
Zum -bermut
trieb er mein Herz;
die Schar f¹hrt' er,
die mich gedrôngt,
Ehr' und Ruhm mir zu mehren,
dem K¡nig dich zu vermôhlen!
Dein Blick, Isolde,
blendet' auch ihn:
aus Eifer verriet
mich der Freund
dem K¡nig, den ich verriet!
 
(Er dringt auf Melot ein.)

Wehr dich, Melot!
 
 
(Als Melot ihm das Schwert entgegenstreckt,
lô-t Tristan das seinige fallen
und sinkt verwundet in Kurwenals Arme.
Isolde st¹rzt sich an seine Brust.
Marke hôlt Melot zur¹ck. Der Vorhang fôllt schnell.)

3. Aufzug
 
 
Einleitung
 
Tristans Burg in der Bretagne.
 
Burggarten. Zur einen Seite hohe Burggebôude,
zur andren eine niedrige Mauerbr¹stung, von einer Warte unterbrochen;
im Hintergrunde das Burgtor. Die Lage ist auf felsiger H¡he anzunehmen;
durch ãffnungen blickt man auf einen weiten Meereshorizont.
Das Ganze macht den Eindruck der Herrenlosigkeit,
¹bel gepflegt, hie und da schadhaft und bewachsen.
 
(Im Vordergrunde, an der inneren Seite, liegt Tristan,
unter dem Schatten einer gro-en Linde,
auf einem Ruhebett schlafend, wie leblos ausgestreckt.
Zu Hôupten ihm sitzt Kurwenal, in Schmerz ¹ber ihn hingebeugt
und sorgsam seinem Atem lauschend.
Von der Au-enseite her h¡rt man, beim Aufziehen des Vorhanges,
einen Hirtenreigen, sehns¹chtig und traurig auf einer Schalmei geblasen.
Der Hirt erscheint selbst mit dem Oberleibe ¹ber der Mauerbr¹stung
und blickt teilnehmend herein.)

 
 
 
 
1. Szene
                          Szene 1, 2, 3                                        3. Aufzug
 
HIRT.
 
(leise)

Kurwenal! He!
Sag, Kurwenal!
H¡r doch, Freund!
 
(Kurwenal wendet ein wenig das Haupt nach ihm.)

Wacht er noch nicht?
 
KURWENAL.
 
(sch¹ttelt traurig mit dem Kopf)

Erwachte er,
wôr's doch nur,
um f¹r immer zu verscheiden:
erschien zuvor
die -rztin nicht,
die einz'ge, die uns hilft.
Sahst du noch nichts?
Kein Schiff noch auf der See?
 
HIRT.
Eine andre Weise
h¡rtest du dann,
so lustig, als ich sie nur kann.
Nun sag auch ehrlich,
alter Freund:
was hat's mit unserm Herrn?
 
KURWENAL.
La- die Frage:
du kannst's doch nie erfahren.
Eifrig spôh,
und siehst du ein Schiff,
so spiele lustig und hell!
 
 
(Der Hirt wendet sich und spôht,
mit der Hand ¹berm Auge, nach dem Meer aus.)

 
HIRT.
ãd und leer das Meer!
 
 
(Er setzt die Schalmei an den Mund
und entfernt sich blasend.)

 
TRISTAN.
 
(bewegungslos, dumpf)

Die alte Weise
was weckt sie mich?
 
KURWENAL.
 
(fôhrt erschrocken auf)

Ha!
 
TRISTAN.
 
(schlôgt die Augen auf
und wendet das Haupt ein wenig)

Wo bin ich?
 
KURWENAL.
Ha! Diese Stimme!
Seine Stimme!
Tristan, Herre!
Mein Held, mein Tristan!
 
TRISTAN.
 
(mit Anstrengung)

Wer ruft mich?
 
KURWENAL.
Endlich! Endlich!
Leben, o Leben!
S¹-es Leben,
meinem Tristan neu gegeben!
 
TRISTAN.
 
(ein wenig auf dem Lager
sich erhebend, matt)

Kurwenal du?
Wo war ich?
Wo bin ich?
 
KURWENAL.
Wo du bist?
In Frieden, sicher und frei!
Kareol, Herr:
kennst du die Burg
der Vôter nicht?
 
TRISTAN.
Meiner Vôter?
 
KURWENAL.
Sieh dich nur um!
 
TRISTAN.
Was erklang mir?
 
KURWENAL.
Des Hirten Weise
h¡rtest du wieder;
am H¹gel ab
h¹tet er deine Herde.
 
TRISTAN.
Meine Herde?
 
KURWENAL.
Herr, das mein' ich!
Dein das Haus,
Hof und Burg!
Das Volk, getreu
dem trauten Herrn,
so gut es konnt',
hat's Haus und Hof gepflegt,
das einst mein Held
zu Erb' und Eigen
an Leut' und Volk verschenkt,
als alles er verlie-,
in fremde Land' zu ziehn.
 
TRISTAN.
In welches Land?
 
KURWENAL.
Hei! Nach Kornwall:
k¹hn und wonnig,
was sich da Glanzes,
Gl¹ck und Ehren
Tristan, mein Held, hehr ertrotzt!
 
TRISTAN.
Bin ich in Kornwall?
 
KURWENAL.
Nicht doch: in Kareol!
 
TRISTAN.
Wie kam ich her?
 
KURWENAL.
Hei nun! Wie du kamst?
Zu Ro- rittest du nicht;
ein Schifflein f¹hrte dich her.
Doch zu dem Schifflein
hier auf den Schultern
trug ich dich; die sind breit,
sie trugen dich dort zum Strand.
Nun bist du daheim, daheim zu Land:
im echten Land,
im Heimatland;
auf eigner Weid' und Wonne,
im Schein der alten Sonne,
darin von Tod und Wunden
du selig sollst gesunden.
 
 
(Er schmiegt sich an Tristans Brust.)

 
TRISTAN.
 
(nach einem kleinen Schweigen)

D¹nkt dich das?
Ich wei- es anders,
doch kann ich's dir nicht sagen.
Wo ich erwacht
weilt' ich nicht;
doch, wo ich weilte,
das kann ich dir nicht sagen.
Die Sonne sah ich nicht,
noch sah ich Land und Leute:
doch, was ich sah,
das kann ich dir nicht sagen.
Ich war,
wo ich von je gewesen,
wohin auf je ich geh'
im weiten Reich
der Weltennacht.
Nur ein Wissen
dort uns eigen:
g¡ttlich ew'ges
Ur-Vergessen!
Wie schwand mir seine Ahnung?
Sehns¹cht'ge Mahnung,
nenn' ich dich,
die neu dem Licht
des Tags mich zugetrieben?
Was einzig mir geblieben,
ein hei--inbr¹nstig Lieben,
aus Todes-Wonne-Grauen
jagt's mich, das Licht zu schauen,
das tr¹gend hell und golden
noch dir, Isolden, scheint!
 
(Kurwenal birgt, von Grausen gepackt,
sein Haupt. Tristan richtet sich
allmôhlich immer mehr auf.)

Isolde noch
im Reich der Sonne!
Im Tagesschimmer
noch Isolde!
Welches Sehnen!
Welches Bangen!
Sie zu sehen,
welch Verlangen!
Krachend h¡rt' ich
hinter mir
schon des Todes
Tor sich schlie-en:
weit nun steht es
wieder offen,
der Sonne Strahlen
sprengt' es auf;
mit hell erschlo-nen Augen
mu-t' ich der Nacht enttauchen
sie zu suchen,
sie zu sehen;
sie zu finden,
in der einzig
zu vergehen,
zu entschwinden
Tristan ist verg¡nnt.
Weh, nun wôchst,
bleich und bang,
mir des Tages
wilder Drang;
grell und tôuschend
sein Gestirn
weckt zu Trug
und Wahn mir das Hirn!
Verfluchter Tag
mit deinem Schein!
Wachst du ewig
meiner Pein?
Brennt sie ewig,
diese Leuchte,
die selbst nachts
von ihr mich scheuchte?
Ach, Isolde,
s¹-e Holde!
Wann endlich,
wann, ach wann
l¡schest du die Z¹nde,
da- sie mein Gl¹ck mir k¹nde?
Das Licht wann l¡scht es aus?
 
(Er sinkt ersch¡pft leise zur¹ck.)

Wann wird es Nacht im Haus?
 
KURWENAL.
 
(nach gro-er Ersch¹tterung
aus der Niederschlagenheit sich aufraffend)

Der einst ich trotzt',
aus Treu' zu dir,
mit dir nach ihr
nun mu- ich mich sehnen.
Glaub meinem Wort:
du sollst sie sehen
hier und heut;
den Trost kann ich dir geben
ist sie nur selbst noch am Leben.
 
TRISTAN.
 
(sehr matt)

Noch losch das Licht nicht aus,
noch ward's nicht Nacht im Haus:
Isolde lebt und wacht;
sie rief mich aus der Nacht.
 
KURWENAL.
Lebt sie denn,
so la- dir Hoffnung lachen!
Mu- Kurwenal dumm dir gelten,
heut sollst du ihn nicht schelten.
Wie tot lagst du
seit dem Tag,
da Melot, der Verruchte,
dir eine Wunde schlug.
Die b¡se Wunde,
wie sie heilen?
Mir t¡r'gem Manne
d¹nkt' es da,
wer einst dir Morolds
Wunde schlo-,
der heilte leicht die Plagen,
von Melots Wehr geschlagen.
Die beste -rztin
bald ich fand;
nach Kornwall hab' ich
ausgesandt:
ein treuer Mann
wohl ¹bers Meer
bringt dir Isolde her.
 
TRISTAN.
 
(au-er sich)

Isolde kommt!
Isolde naht!
 
(Er ringt gleichsam nach Sprache.)

O Treue! Hehre,
holde Treue!
 
(Er zieht Kurwenal an sich und umarmt ihn.)

Mein Kurwenal,
du trauter Freund!
Du Treuer ohne Wanken,
wie soll dir Tristan danken?
Mein Schild, mein Schirm
in Kampf und Streit,
zu Lust und Leid
mir stets bereit:
wen ich geha-t,
den ha-test du;
wen ich geminnt,
den minntest du.
Dem guten Marke,
dient' ich ihm hold,
wie warst du ihm treuer als Gold!
Mu-t' ich verraten
den edlen Herrn,
wie betrogst du ihn da so gern!
Dir nicht eigen,
einzig mein,
mit leidest du,
wenn ich leide:
nur was ich leide,
das kannst du nicht leiden!
Dies furchtbare Sehnen,
das mich sehrt;
dies schmachtende Brennen,
das mich zehrt;
wollt' ich dir's nennen,
k¡nntest du's kennen:
nicht hier w¹rdest du weilen,
zur Warte m¹-test du eilen
mit allen Sinnen
sehnend von hinnen
nach dorten trachten und spôhen,
wo ihre Segel sich blôhen,
wo vor den Winden,
mich zu finden,
von der Liebe Drang befeuert,
Isolde zu mir steuert!
Es naht! Es naht
mit mutiger Hast!
Sie weht, sie weht
die Flagge am Mast.
Das Schiff! Das Schiff!
Dort streicht es am Riff!
Siehst du es nicht?
 
(Heftig.)

Kurwenal, siehst du es nicht?
 
 
(Als Kurwenal, um Tristan nicht zu verlassen, z¡gert,
und dieser in schweigender Spannung auf ihn blickt, ert¡nt,
wie zu Anfang, nôher, dann ferner, die klagende Weise des Hirten.)

 
KURWENAL.
 
(niedergeschlagen)

Noch ist kein Schiff zu sehn!
 
TRISTAN.
 
(hat mit abnehmender Aufregung gelauscht
und beginnt nun mit wachsender Schwermut)

Mu- ich dich so verstehn,
du alte ernste Weise,
mit deiner Klage Klang?
Durch Abendwehen
drang sie bang,
als einst dem Kind
des Vaters Tod verk¹ndet.
Durch Morgengrauen
bang und bônger
als der Sohn
der Mutter Los vernahm.
Da er mich zeugt' und starb,
sie sterbend mich gebar.
Die alte Weise
sehnsuchtbang
zu ihnen wohl
auch klagend drang,
die einst mich frug
und jetzt mich frôgt:
zu welchem Los erkoren
ich damals wohl geboren?
Zu welchem Los?
Die alte Weise
sagt mir's wieder:
mich sehnen und sterben!
Nein! Ach nein!
So hei-t sie nicht!
Sehnen! Sehnen!
Im Sterben mich zu sehnen,
vor Sehnsucht nicht zu sterben!
Die nie erstirbt,
sehnend nun ruft
um Sterbens Ruh
sie der fernen -rztin zu.
Sterbend lag ich
stumm im Kahn,
der Wunde Gift
dem Herzen nah:
Sehnsucht klagend
klang die Weise;
den Segel blôhte der Wind
hin zu Irlands Kind.
Die Wunde, die
sie heilend schlo-,
ri- mit dem Schwert
sie wieder los;
das Schwert dann aber
lie- sie sinken;
den Gifttrank gab sie
mir zu trinken:
wie ich da hoffte
ganz zu genesen,
da ward der sehrendste
Zauber erlesen:
da- nie ich sollte sterben,
mich ew'ger Qual vererben!
Der Trank! Der Trank!
Der furchtbare Trank!
Wie vom Herzen zum Hirn
er w¹tend mir drang!
Kein Heil nun kann,
kein s¹-er Tod
je mich befrein
von der Sehnsucht Not;
nirgends, ach nirgends
find' ich Ruh:
mich wirft die Nacht
dem Tage zu,
um ewig an meinen Leiden
der Sonne Auge zu weiden.
O dieser Sonne
sengender Strahl,
wie brennt mir das Hirn
seine gl¹hende Qual!
F¹r diese Hitze
hei-es Verschmachten,
ach, keines Schattens
k¹hlend Umnachten!
F¹r dieser Schmerzen
schreckliche Pein,
welcher Balsam sollte
mir Lindrung verleihn?
Den furchtbaren Trank,
der der Qual mich vertraut,
ich selbst ich selbst,
ich hab' ihn gebraut!
Aus Vaters Not
und Mutterweh,
aus Liebestrônen
eh und je
aus Lachen und Weinen,
Wonnen und Wunden
hab' ich des Trankes
Gifte gefunden!
Den ich gebraut,
der mir geflossen,
den wonneschl¹rfend
je ich genossen
verflucht sei, furchtbarer Trank!
Verflucht, wer dich gebraut!
 
 
(Er sinkt ohnmôchtig zur¹ck.)

 
KURWENAL.
 
(der vergebens Tristan zu mô-igen
suchte, schreit entsetzt auf)

Mein Herre Tristan!
Schrecklicher Zauber!
O Minnetrug!
O Liebeszwang!
Der Welt holdester Wahn,
wie ist's um dich getan!
Hier liegt er nun,
der wonnige Mann,
der wie keiner geliebt und geminnt.
Nun seht, was von ihm
sie Dankes gewann,
was je Minne sich gewinnt!
 
(Mit schluchzender Stimme.)

Bist du nun tot?
Lebst du noch?
Hat dich der Fluch entf¹hrt?
 
(Er lauscht seinem Atem.)

O Wonne! Nein!
Er regt sich, er lebt!
 
(zart)

Wie sanft er die Lippen r¹hrt!
 
TRISTAN.
 
(langsam wieder zu sich kommend)

Das Schiff? Siehst du's noch nicht?
 
KURWENAL.
Das Schiff? Gewi-,
es naht noch heut;
es kann nicht lang mehr sôumen.
 
TRISTAN.
Und drauf Isolde,
wie sie winkt,
wie sie hold
mir S¹hne trinkt.
Siehst du sie?
Siehst du sie noch nicht?
Wie sie selig,
hehr und milde
wandelt durch
des Meers Gefilde?
Auf wonniger Blumen
lichten Wogen
kommt sie sanft
ans Land gezogen.
Sie lôchelt mir Trost
und s¹-e Ruh,
sie f¹hrt mir letzte
Labung zu.
Ach, Isolde, Isolde!
Wie sch¡n bist du!
Und Kurwenal, wie,
du sôhst sie nicht?
Hinauf zur Warte,
du bl¡der Wicht!
Was so hell und licht ich sehe,
da- das dir nicht entgehe!
H¡rst du mich nicht?
Zur Warte schnell!
Eilig zur Warte!
Bist du zur Stell'?
Das Schiff? Das Schiff?
Isoldens Schiff?
Du musst es sehen!
Mu-t es sehen!
Das Schiff? Sôhst du's noch nicht?
 
 
(Wôhrend Kurwenal noch z¡gernd mit Tristan ringt,
lôsst der Hirt von au-en die Schalmei ert¡nen.)

 
KURWENAL.
 
(springt freudig auf)

O Wonne! Freude!
 
(Er st¹rzt auf die Warte und spôht aus.)
(atemlos)

Ha! Das Schiff!
Von Norden seh' ich's nahen.
 
TRISTAN.
 
(in wachsender Begeisterung)

Wusst' ich's nicht?
Sagt' ich's nicht,
da- sie noch lebt,
noch Leben mir webt?
Die mir Isolde
einzig enthôlt,
wie wôr Isolde
mir aus der Welt?
 
KURWENAL.
 
(von der Warte zur¹ckrufend, jauchzend)

Heiha! Heiha!
Wie es mutig steuert!
Wie stark der Segel sich blôht!
Wie es jagt, wie es fliegt!
 
TRISTAN.
Die Flagge? Die Flagge?
 
KURWENAL.
Der Freude Flagge
am Wimpel lustig und hell!
 
TRISTAN.
 
(auf dem Lager hoch sich aufrichtend)

Hahei! Der Freude!
Hell am Tage
zu mir Isolde!
Isolde zu mir!
Siehst du sie selbst?
 
KURWENAL.
Jetzt schwand das Schiff
hinter dem Fels.
 
TRISTAN.
Hinter dem Riff?
Bringt es Gefahr?
Dort w¹tet die Brandung,
scheitern die Schiffe!
Das Steuer, wer f¹hrt's?
 
KURWENAL.
Der sicherste Seemann.
 
TRISTAN.
Verriet' er mich?
Wôr' er Melots Geno-?
 
KURWENAL.
Trau ihm wie mir!
 
TRISTAN.
Verrôter auch du!
Unsel'ger!
Siehst du sie wieder?
 
KURWENAL.
Noch nicht.
 
TRISTAN.
Verloren!
 
KURWENAL.
 
(jauchzend)

Heiha! Hei ha ha ha ha!
Vorbei! Vorbei!
Gl¹cklich vorbei!
 
TRISTAN.
 
(jauchzend)

Kurwenal, hei ha ha ha,
treuester Freund!
All mein Hab und Gut
vererb' ich noch heute.
 
KURWENAL.
Sie nahen im Flug.
 
TRISTAN.
Siehst du sie endlich?
Siehst du Isolde?
 
KURWENAL.
Sie ist's! Sie winkt!
 
TRISTAN.
O seligstes Weib!
 
KURWENAL.
Im Hafen der Kiel!
Isolde, ha!
Mit einem Sprung
springt sie vom Bord ans Land.
 
TRISTAN.
Herab von der Warte,
m¹-iger Gaffer!
Hinab! Hinab
an den Strand!
Hilf ihr! Hilf meiner Frau!
 
KURWENAL.
Sie trag' ich herauf:
trau meinen Armen!
Doch du, Tristan,
bleib mir treulich am Bett.
 
 
(Kurwenal eilt fort.)

 
 
 
2. Szene
                          Szene 1, 2, 3                                        3. Aufzug
 
TRISTAN.
 
(in h¡chster Aufregung
auf dem Lager sich m¹hend)

O diese Sonne!
Ha, dieser Tag!
Ha, dieser Wonne
sonnigster Tag!
Jagendes Blut,
jauchzender Mut!
Lust ohne Ma-en,
freudiges Rasen!
Auf des Lagers Bann
wie sie ertragen?
Wohlauf und daran,
wo die Herzen schlagen!
Tristan der Held,
in jubelnder Kraft,
hat sich vom Tod
emporgerafft!
 
(Er richtet sich hoch auf.)

Mit blutender Wunde
bekômpft' ich einst Morolden,
mit blutender Wunde
erjag' ich mir heut Isolden!
 
(Er rei-t sich den Verband der Wunde auf.)

Heia, mein Blut!
Lustig nun flie-e!
 
(Er springt vom Lager herab
und schwankt vorwôrts.)

Die mir die Wunde
auf ewig schlie-e
sie naht wie ein Held,
sie naht mir zum Heil!
Vergeh' die Welt
meiner jauchzenden Eil'!
 
 
(Er taumelt nach der Mitte der B¹hne.)

 
ISOLDE.
 
(von au-en)

Tristan! Geliebter!
 
TRISTAN.
 
(in der furchtbarsten Aufregung)

Wie, h¡r' ich das Licht?
Die Leuchte, ha!
Die Leuchte verlischt!
Zu ihr, zu ihr!
 
 
(Isolde eilt atemlos herein. Tristan, seiner nicht môchtig,
st¹rzt sich ihr schwankend entgegen.
In der Mitte der B¹hne begegnen sie sich;
sie empfôngt ihn in ihren Armen.
Tristan sinkt langsam in ihren Armen zu Boden.)

 
ISOLDE.
Tristan! Ha!
 
TRISTAN.
 
(sterbend zu ihr aufblickend)

Isolde!
 
 
(Er stirbt.)

 
ISOLDE.
Ha! Ich bin's, ich bin's,
s¹-ester Freund!
Auf, noch einmal
h¡r meinen Ruf!
Isolde ruft:
Isolde kam,
mit Tristan treu zu sterben.
Bleibst du mir stumm?
Nur eine Stunde,
nur eine Stunde
bleibe mir wach!
So bange Tage
wachte sie sehnend,
um eine Stunde
mit dir noch zu wachen:
betr¹gt Isolden,
betr¹gt sie Tristan
um dieses einzige,
ewig kurze
letzte Weltengl¹ck?
Die Wunde? Wo?
La- sie mich heilen!
Da- wonnig und hehr
die Nacht wir teilen;
nicht an der Wunde,
an der Wunde stirb mir nicht:
uns beiden vereint
erl¡sche das Lebenslicht!
Gebrochen der Blick!
Still das Herz!
Nicht eines Atems
fl¹cht'ges Wehn!
Mu- sie nun jammernd
vor dir stehn,
die sich wonnig dir zu vermôhlen
mutig kam ¹bers Meer?
Zu spôt!
Trotziger Mann!
Strafst du mich so
mit hôrtestem Bann?
Ganz ohne Huld
meiner Leidens-Schuld?
Nicht meine Klagen
darf ich dir sagen?
Nur einmal, ach!
nur einmal noch!
Tristan! Ha!
Horch! Er wacht!
Geliebter!
 
 
(Sie sinkt bewu-tlos ¹ber der Leiche zusammen.
Kurwenal war sogleich hinter Isolde zur¹ckgekommen;
sprachlos in furchtbarer Ersch¹tterung hat er dem Auftritte beigewohnt
und bewegungslos auf Tristan hingestarrt.
Aus der Tiefe h¡rt man jetzt dumpfes Gemurmel und Waffengeklirr.
Der Hirt kommt ¹ber die Mauer gestiegen.)

 
 
 
 
3. Szene
            
             Szene 1, 2, 3                                        3. Aufzug
 
 
 
 
HIRT.
 
(hastig und leise sich zu Kurwenal wendend)

Kurwenal! H¡r!
Ein zweites Schiff.
 
 
(Kurwenal fôhrt heftig auf und blickt ¹ber die Br¹stung,
wôhrend der Hirt aus der Ferne ersch¹ttert auf Tristan
und Isolde sieht.)

 
KURWENAL.
 
(in Wut ausbrechend)

Tod und H¡lle!
Alles zur Hand!
Marke und Melot
hab' ich erkannt.
Waffen und Steine!
Hilf mir! Ans Tor!
 
 
(Er eilt mit dem Hirten an das Tor,
das sie in der Hast zu verrammeln suchen.)

 
Der STEUERMANN.
 
(st¹rzt herein)

Marke mir nach
mit Mann und Volk:
vergebne Wehr!
Bewôltigt sind wir.
 
KURWENAL.
Stell dich und hilf!
Solange ich lebe,
lugt mir keiner herein!
 
BRANG-NE.
 
(au-en, von unten her)

Isolde! Herrin!
 
KURWENAL.
Brangônes Ruf?
 
(Hinabrufend.)

Was suchst du hier?
 
BRANG-NE.
Schlie- nicht, Kurwenal!
Wo ist Isolde?
 
KURWENAL.
Verrôt'rin auch du?
Weh dir, Verruchte!
 
MELOT.
 
(au-erhalb)

Zur¹ck, du Tor!
Stemm dich nicht dort!
 
KURWENAL.
 
(w¹tend auffahrend)

Heiahaha! Dem Tag,
an dem ich dich treffe!
 
(Melot, mit gewaffneten Mônnern,
erscheint unter dem Tor. Kurwenal st¹rzt sich
auf ihn und streckt ihn zu Boden.)

Stirb, schôndlicher Wicht!
 
MELOT.
Weh mir, Tristan!
 
 
(Er stirbt.)

 
BRANG-NE.
 
(noch au-erhalb)

Kurwenal! W¹tender!
H¡r, du betr¹gst dich!
 
KURWENAL.
Treulose Magd!
 
(Zu den Seinen.)

Drauf! Mir nach!
Werft sie zur¹ck!
 
 
(Sie kômpfen.)

 
MARKE.
 
(au-erhalb)

Halte, Rasender!
Bist du von Sinnen?
 
KURWENAL.
Hier w¹tet der Tod!
Nichts andres, K¡nig,
ist hier zu holen:
willst du ihn kiesen, so komm!
 
 
(Er dringt auf Marke und dessen Gefolge ein.)

 
MARKE.
 
(unter dem Tor mit Gefolge erscheinend)

Zur¹ck! Wahnsinniger!
 
BRANG-NE.
 
(hat sich seitwôrts ¹ber die Mauer geschwungen
und eilt in den Vordergrund)

Isolde! Herrin!
Gl¹ck und Heil!
Was seh ich? Ha!
Lebst du? Isolde!
 
 
(Sie m¹ht sich um Isolde.
Marke mit seinem Gefolge hat Kurwenal
mit dessen Helfern vom Tore zur¹ckgetrieben
und dringt herein.)

 
MARKE.
O Trug und Wahn!
Tristan, wo bist du?
 
KURWENAL.
 
(schwer verwundet, schwankt vor Marke
her nach dem Vordergrund)

Da liegt er
hier wo ich liege.
 
 
(Er sinkt bei Tristans F¹-en zusammen.)

 
MARKE.
Tristan! Tristan!
Isolde! Weh!
 
KURWENAL.
 
(nach Tristans Hand fassend)

Tristan! Trauter!
Schilt mich nicht,
da- der Treue auch mit kommt!
 
 
(Er stirbt.)

 
MARKE.
Tot denn alles!
Alles tot!
Mein Held, mein Tristan!
Trautester Freund,
auch heute noch
mu-t du den Freund verraten?
Heut, wo er kommt,
dir h¡chste Treue zu bewôhren?
Erwache! Erwache!
Erwache meinem Jammer!
 
(Schluchzend ¹ber die Leiche
sich herabbeugend.)

Du treulos treuster Freund!
 
BRANG-NE.
 
(die in ihren Armen Isolde
wieder zu sich gebracht)

Sie wacht! Sie lebt!
Isolde! H¡r mich,
vernimm meine S¹hne!
Des Trankes Geheimnis
entdeckt' ich dem K¡nig:
mit sorgender Eil'
stach er in See,
dich zu erreichen,
dir zu entsagen,
dir zuzuf¹hren den Freund.
 
MARKE.
Warum, Isolde,
warum mir das?
Da hell mir enth¹llt,
was zuvor ich nicht fassen konnt',
wie selig, da- den Freund
ich frei von Schuld da fand!
Dem holden Mann
dich zu vermôhlen,
mit vollen Segeln
flog ich dir nach.
Doch Ungl¹ckes
Ungest¹m,
wie erreicht es, wer Frieden bringt?
Die Ernte mehrt' ich dem Tod,
der Wahn hôufte die Not.
 
BRANG-NE.
H¡rst du uns nicht?
Isolde! Traute!
Vernimmst du die Treue nicht?
 
 
(Isolde, die nichts um sich her vernommen,
heftet das Auge mit wachsender Begeisterung
auf Tristans Leiche.)

 
ISOLDE.
Mild und leise
wie er lôchelt,
wie das Auge
hold er ¡ffnet
seht ihr's Freunde?
Seht ihr's nicht?
Immer lichter
wie er leuchtet,
stern-umstrahlet
hoch sich hebt?
Seht ihr's nicht?
Wie das Herz ihm
mutig schwillt,
voll und hehr
im Busen ihm quillt?
Wie den Lippen,
wonnig mild,
s¹-er Atem
sanft entweht
Freunde! Seht!
F¹hlt und seht ihr's nicht?
H¡r ich nur
diese Weise,
die so wunder-
voll und leise,
Wonne klagend,
alles sagend,
mild vers¡hnend
aus ihm t¡nend,
in mich dringet,
auf sich schwinget,
hold erhallend
um mich klinget?
Heller schallend,
mich umwallend,
sind es Wellen
sanfter L¹fte?
Sind es Wogen
wonniger D¹fte?
Wie sie schwellen,
mich umrauschen,
soll ich atmen,
soll ich lauschen?
Soll ich schl¹rfen,
untertauchen?
S¹- in D¹ften
mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem t¡nenden Schall,
in des Welt-Atems
wehendem All
ertrinken,
versinken
unbewu-t
h¡chste Lust!
 
 
(Isolde sinkt, wie verklôrt,
in Brangônes Armen sanft auf Tristans Leiche.
R¹hrung und Entr¹cktheit unter den Umstehenden.
Marke segnet die Leichen.
Der Vorhang fôllt langsam.)


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©  Michael de Budyon 1999-2001